August 26, 2025
Tunable-White

Wie flexible Lichtfarbe das Erscheinungsbild von Räumen verändert – und warum 3-Phasen-Schienen die Bühne für präzises, effizientes Licht sind.

Leitmotiv: Licht als Werkzeug, nicht nur als Leuchte

Licht plant heute niemand mehr als starre Größe. Verkaufsflächen wechseln Kollektionen, Galerien erneuern Hängungen,
Büros leben von Szenen zwischen Fokus und Kollaboration. In diesem Spannungsfeld entfalten steuerbare 3-Phasen-Strahler
mit Tunable White ihre Wirkung: Sie kombinieren die elektrische Flexibilität eines 3-Phasen-Schienensystems mit
der stufenlosen Einstellbarkeit der Farbtemperatur – vom warmen 2700 K bis zum kühlen 6500 K, je nach Produkt und Treiber.

Tunable-White

Was hinter dem 3-Phasen-System steckt

Stromschienen mit drei Phasen führen – vereinfacht gesagt – drei schaltbare Leiter plus Neutralleiter und Schutzleiter.
Das erlaubt, innerhalb einer einzigen Schiene mehrere Gruppen zu bilden: Strahler A schaltet auf Phase 1, Strahler B auf Phase 2,
Sonderbeleuchtung auf Phase 3. Planer können so Zonen schaffen, Szenen programmieren und später ohne Neuverkabelung umbauen.
Für Laden- und Ausstellungsbau ist das ein Effizienz-Booster – und im Wohnbereich ein eleganter Weg, Licht flexibel zu halten.

Tunable White: die Mischung macht’s

Der Begriff „Tunable White“ beschreibt Leuchten, deren CCT (Correlated Color Temperature) stufenlos einstellbar ist.
Technisch sitzen im Strahler zwei LED-Kanäle – typischerweise „warm“ und „kalt“. Durch PWM- oder Stromregelung werden beide Kanäle
so gemischt, dass jede gewünschte Lichtfarbe im Spektrum entsteht. Moderne Treiber skalieren dabei nicht nur die Farbtemperatur,
sondern halten – je nach Implementierung – auch die Farbwiedergabe (CRI) stabil und führen die Helligkeit entlang
einer Dim-to-Warm– oder Constant-Luminance-Kurve.

Warum die Farbtemperatur zählt

Warmweiß (ca. 2700–3000 K) vermittelt Ruhe, Intimität und Wertigkeit; neutral bis tageslichtweiß (4000–6500 K) wirkt
sachlich, frisch und aufmerksamkeitsstark. Tunable White bildet beide Welten ab – ohne Leuchtmittelwechsel, ohne Umbau.
Für Markenauftritte bedeutet das: Licht folgt dem Content, nicht umgekehrt.

Steuerung: von DALI bis App

Der „steuerbare“ Teil im Namen verweist auf die Schnittstellen. Häufig eingesetzt werden DALI (klassisch, kabelgebunden,
adressierbar), Bluetooth-basierte Systeme wie Casambi (für App- und Gateway-Steuerung) sowie zunehmend
KNX- oder BACnet-Anbindungen in Gebäuden. Sie erlauben:

  • Szenenabruf (z. B. „Morning Retail“, „Gallery Opening“, „Focus Work“)
  • Gruppenlogik über die drei Phasen hinweg
  • Automationen nach Uhrzeit, Belegung oder Tageslicht
  • Feinabstimmung von Helligkeit, CCT und – bei RGBW-Varianten – Akzentfarben

„Die richtige Lichtfarbe ist das stillste Verkaufsargument – man sieht sie nicht, aber man spürt sie.“

Einsatzfelder, in denen Tunable White brilliert

Einzelhandel: Bühne für Produkte

Mode, Kosmetik, Feinkost – jedes Sortiment erzählt eine andere Geschichte. Warmere Töne lassen Materialien weicher und
hochwertiger wirken, kühle Töne schärfen Konturen und Frische. Mit 3-Phasen-Strahlern lassen sich neue Zonen sofort definieren:
Saisonale Pop-ups erhalten ihre eigene Szene, ohne dass die Bestandstechnik verändert werden muss.

Museen & Galerien: Kuratieren mit Licht

Unterschiedliche Epochen, Materialien und Oberflächen verlangen unterschiedliche Lichtfarben. Öl auf Leinwand liebt
oft wärmere CCT, Fotografie und zeitgenössische Skulptur profitieren von neutralen bis kühleren Einstellungen.
Tunable-White-Strahler bringen diese Varianz in einer Schiene zusammen – und schützen Exponate durch präzise Dimmung.

New Work: Rhythmus für den Arbeitstag

Im Büro gilt: morgens aktivierend, nachmittags fokussierend, abends beruhigend. Dynamische CCT-Verläufe können die
innere Uhr unterstützen und die visuelle Ermüdung senken. In Meeting-Zonen ist die Szene auf Knopfdruckwechsel
Gold wert – Pitch, Workshop, Videokonferenz haben jeweils andere Anforderungen an Lichtfarbe und Blendungsgrenzen.

Wohnräume: vom Kochmodus zur Filmnacht

In offenen Grundrissen arbeiten Küche, Essen und Wohnen zusammen. 3-Phasen-Schienen mit verstellbaren Strahlern
zentrieren die Insel, akzentuieren das Bücherregal und dimmen abends auf warmes Ambient – alles mit derselben
Infrastruktur. Wer umzieht oder ummöbliert, dreht Strahler, nicht Deckenanschlüsse.

Worauf Planer und Käufer achten sollten

  • Farbwiedergabe: CRI ≥ 90 ist im Retail und für Kunst empfehlenswert; R9-Werte geben Auskunft über gesättigtes Rot.
  • Optiken & Abstrahlwinkel: Wechseloptiken (z. B. 15°, 24°, 36°) oder Zoom-Linsen erhöhen die Flexibilität.
  • Blendung: UGR-optimierte Gehäuse, Wabenraster oder Regress-Optiken sorgen für Sehkomfort.
  • Treiberqualität: Flimmerarme (Flicker-Index) und geräuscharme Treiber sind Pflicht in Studios und Büros.
  • Thermik & Lumenhaltung: Massiver Kühlkörper und saubere LM-80/TM-21-Angaben sichern Langzeitstabilität.
  • Kompatibilität: 3-Phasen-Adapter nach gängigen Standards, saubere DALI-Adressierung bzw. BLE-Mesh-Fähigkeit.
  • Service: Austauschbare LED-Module/Optiken und dokumentierte Profile sparen Kosten im Betrieb.

Ökonomie und Ökologie: Rechnen mit Licht

Der Wechsel auf LED-Schienenstrahler senkt die Last signifikant, doch der wahre Hebel liegt in der Steuerung:
Präsenz- und Tageslichtlogik vermeiden Überbeleuchtung, Szenen verhindern „Dauer-Vollgas“. Gleichzeitig steigert
gutes Licht nachweislich Verweildauer und Kaufbereitschaft im Handel und reduziert Fehlzeiten im Office – Effekte,
die in Business-Cases oft stärker wiegen als die reine Wattzahl.

Praxisbeispiel: Drei Szenen, ein Raum

Nehmen wir einen 150-m²-Showroom mit 18 Strahlern an einer 12-m-Schiene. Phase 1 bedient die Grundbeleuchtung,
Phase 2 akzentuiert Neuheiten, Phase 3 setzt saisonale Deko in Szene. Morgens läuft „Refresh“ (4000 K, 60 %),
zur Mittagszeit „Focus“ (4500–5000 K, 75 %), am Abend „Ambient“ (3000 K, 35 %). Alle drei Szenen sind
per Taster oder App abrufbar, die CCT fährt weich in 2–3 Sekunden mit. So bleibt der Raum immer „on brand“,
ohne einen Strahler umzustecken.

Häufige Missverständnisse – kurz erklärt

  • „Warmweiß ist immer gemütlicher.“ Stimmt oft, aber glänzende Oberflächen und sehr warme CCT können
    Detailkontraste verschlucken. Balance zählt.
  • „Tunable White ist kompliziert.“ Moderne Apps und DALI-Profile sind weitgehend selbsterklärend; die
    Komplexität steckt im Setup, nicht im Alltag.
  • „Mehr Lumen, besseres Licht.“ Präzise Lenkung und passende CCT schlagen rohe Lichtmenge. Ziel ist
    visuelle Wirksamkeit, nicht Helligkeit um jeden Preis.

Fazit: Die Zukunft bleibt verstellbar

Der steuerbare 3-Phasen-Strahler mit Tunable White ist mehr als ein Trendprodukt. Er ist ein Werkzeug, das
Marken, Kuratoren, Planern und privaten Nutzern echte Handlungsspielräume eröffnet: Licht folgt Inhalt und
Tagesrhythmus, bleibt energieeffizient und wandlungsfähig. Wer heute flexibel plant, baut eine Bühne, auf der
morgen neue Geschichten stattfinden können – mit einem Dreh am Strahler und einem Tipp auf die Szene.

 

 

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